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Praxisbewertung

Die Praxisbewertung als Unternehmensbewertung der besonderen Art – Wertvolle Hintergrundinformationen zum Wert Ihrer Praxis

Eine Praxisbewertung ist eine komplexe Aufgabe im Rahmen der Unternehmensbewertung und erfordert vom Gutachter besondere Kenntnisse, sowohl auf dem Gebiet der Unternehmensbewertung selbst als der Branche der niedergelassenen Ärzte. Klock & Küchler haben sich in über 10 Jahren das notwendige Know How, sowohl theoretisch wie praktisch, erarbeitet. Herr Prof. Klock ist zudem als Sachverständiger für das Gebiet der Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen öffentlich bestellt und vereidigt. Wie ein Gutachten zur Praxisbewertung von Klock & Küchler genau aufgebaut ist, welche Methode angewendet und welche Inhalte ein Gutachten enthält, können Sie der Seite Praxisbewertungen entnehmen. Hinweise für die Bewertung eines MVZ können Sie der Seite Bewertung von MVZ entnehmen und Aspekte zur Bewertung einer Apotheke der Seite Bewertung von Apotheken.

Auf dieser Seite möchten wir das Thema Praxisbewertung im Allgemeinen näher beschreiben und die verschiedenen Methoden zur Praxisbewertung aufzeigen und werten. Insbesondere möchten wir den Leser dazu motivieren, sich im Falle einer Praxisabgabe oder einer geplanten Niederlassung mit dem Thema Praxisbewertung fundiert auseinanderzusetzen. Denn allzu häufig  werden Praxiswerte „irgendwie“ oder mit fragwürdigen Methoden scheinbar fundiert ermittelt und unbedarfte Praxisverkäufer/ Käufer massiv geschädigt. Mit einer Kenntnis über die verschiedenen Methoden und dem Stand der betriebswirtschaftlichen Forschung zum Thema Praxisbewertung können Pseudo-Gutachten (oder einfach schlechte Gutachten) leichter identifiziert werden.

 

Historie der Praxisbewertung

Zunächst ist festzuhalten, dass bis in die 1950er Jahre hinein der Verkauf einer Arztpraxis innerhalb der Ärzteschaft als verpönt galt und insbesondere auch die Bezahlung eines ideellen Wertes als standes- und sittenwidrig galten. Erst im Laufe der 1960er Jahre kristallisierte sich ein Trend zu einem üblichen Unternehmenskauf/ verkauf heraus, bei dem auch ideelle Werte Akzeptanz fanden. Nachdem der Bundesgerichtshof im Jahre 1965 den Verkauf einer Arztpraxis für zulässig erklärte und weder ein Verstoß gegen das Berufsrecht noch einen Verstoß gegen die guten Sitten sah, war der Weg zu einer normalen Verkehrswertbildung frei. Zu dieser Zeit hatte auch die Bundesärztekammer bereits eine erste Richtlinie zum Wert von Arztpraxen veröffentlicht. Danach sollte eine Arztpraxis 25% eines Jahresumsatzes Wert sein.

Eine starre Festlegung von Praxiswerten durch die Berufskammer konnte natürlich nicht dem Wunsch der Praxisinhaber nach eine fairen und wertorientierten Bezahlung befriedigen. Daher wurden schon bald die verschiedensten Berechnungsmethoden entwickelt, die den „wahren Wert“ einer Praxis ermitteln sollten. Freilich hatten diese Methoden nichts mit einer fundierten Praxisbewertung zu tun. Man konnte sie eher als Pseudo-Verfahren bezeichnen, die einer willkürliche Wertfeststellung einen mathematischen bzw. betriebswirtschaftlichen Anstrich geben sollten. Umso erschreckender, dass sich einiger dieser Methoden noch lange (z.T. bis heute) am Markt halten konnten.

Erst in den 1990er Jahren wurden die ersten ernsthaften Versuche unternommen, betriebswirtschaftlich fundierte Bewertungsverfahren für Arztpraxen zu entwickeln. Und erst vor etwa 10 bis 15 Jahren fand die heute allgemein akzeptierte, und nach aktuellem betriebswirtschaftlichen Konsens am besten geeignete Methode – die modifizierte Ertragswertmethode – Eingang in die Bewertungspraxis.

 

Wertdefinitionen

Zunächst sollen die wichtigsten Begriffe, die im Rahmen der Praxisbewertung von Relevanz sind, definiert werden. Dabei gibt es viele unterschiedliche Definitionen für die einzelnen Begriffe. Wir haben hier die gebräuchlichsten bzw. die nach unserer Auffassung treffensten Definitionen gewählt.

Praxiswert

Der Praxiswert ist der Wert, der objektiv von einem neutralen Sachverständigen oder Berater für eine bestimmte Praxis ermittelt wird. Dabei werden subjektive Wertvorstellungen des Praxisabgebers oder des Praxisübernehmers nicht berücksichtigt. Dieser objektiv festgestellte Praxiswert kann Basis für einen noch zu vereinbarenden Kaufpreis sein.

(Symposium Praxiswertermittlung, Bergisch-Gladbach, 1995)

Verkehrswert

Neben vielen unterschiedlichen Versuchen, den Verkehrswert zu definieren, möchten wir auf die im Baugesetzbuch (§194) verwendete Definition zurückgreifen:

„Der Verkehrswert wird durch den Preis bestimmt, der in dem Zeitpunkt, auf den sich die Ermittlung bezieht, im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gegebenheiten und tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks oder des sonstigen Gegenstands der Wertermittlung ohne Rücksicht auf ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse zu erzielen wäre.“

Substanzwert

Auch für den Substanzwert gibt es eine Fülle unterschiedlicher Definitionen. Kurz und bündig z. B. folgende:

„Der Substanzwert ist die Summe der einem Unternehmen dienenden Vermögensgegenstände, die auf einen bestimmten Zeitpunkt bewertet werden.“

(Paul Wollny, Unternehmens- und Praxisübertragungen, 1994)

 

Auf eine Arztpraxis bezogen umfasst die Substanz bei Praxisbewertungen:

  1. medizinische Geräte,
  2. Praxiseinrichtung,
  3. EDV-Systeme und Software,
  4. geringwertige Wirtschaftsgüter,
  5. Ge- und Verbrauchsmaterialien

Im Falle der Notwendigkeit der exakten Vermögensabgrenzung (z. B. in Zugewinnverfahren) sind auch liquide Mittel, Forderungen, Praxisverbindlichkeiten, etc. der Substanz zuzurechnen.

Eine Praxisbewertung soll immer den Substanzwert getrennt vom ideellen Wert ausweisen.

Zeitwert

Bei einer Praxisbewertung werden die Vermögensgegenstände der Arztpraxis üblicherweise immer mit dem Zeitwert bewertet.

Der Zeitwert definiert sich gemäß der Leitsätze für Bewertung von Maschinen des Instituts für Sachverständigenwesen e.V., Seite 7, als

„… der Wert einer Maschine oder Anlage unter Berücksichtigung ihres Alters und ihres Betriebszustandes, insbesondere der Abnutzung und Instandhaltung der Verwendung und Nutzung sowie der durchschnittlichen technischen Nutzungs- und Lebensdauer“

Dabei ist bei der Einschätzung der technischen Nutzungs- und Lebensdauer zu berücksichtigen, wie lange ein Vermögensgegenstand im Durchschnitt in der Lage ist, die gerätespezifische Leistung für das Unternehmen nutzbringend zu erstellen. Damit liegt die technische Nutzungs- und Lebensdauer in der Regel oberhalb der steuerlich anzusetzenden Nutzungsdauer, die sich an den Afa-Tabellen orientiert und die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer zum Ausdruck bringt.

Häufig bleiben nach Ablauf der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer (steuerliche Abschreibungsdauer) Vermögensgegenstände noch im Unternehmen und bleiben Teil des Produktionsprozesses. Damit kommt ihnen noch ein tatsächlicher Wert zu, obwohl diese steuerlich bereits vollständig abgeschrieben sind. Dieser Wert bemisst sich an den Kosten, die entstünden, wenn ein gleiches Gerät beschafft und in den Produktionsablauf integriert werden müsste. Der Zeitwert berücksichtigt demnach den Wert des Vermögensgegenstandes im Gesamtgefüge des Unternehmens. Der Preis beim Kauf des gleichwertigen Vermögensgegenstandes entspricht in der Regel dem Marktwert, falls ein freier Markt existiert. Der Zeitwert liegt jedoch über dem Marktwert, wenn dem Vermögensgegenstand ein funktionaler Mehrwert zukommt. Dieser Mehrwert entsteht aus dem abgestimmten Einsatz des Gegenstandes im Produktionsablauf und trägt dem Umstand Rechnung, dass die Gegenstände geliefert, aufgestellt, installiert (Bsp. Software), eingebaut (Möbel, Röntgen), montiert und aufeinander abgestimmt werden müssen. Ebenso müssen Mitarbeiter evtl. eingewiesen und geschult werden, Genehmigungen sind ggf. erforderlich, Opportunitätskosten (z. B. Betriebsstillstand, Arbeitszeiten) können beim Ersatz entstehen. Mit dem Zeitwert wird also der Wert eines Vermögensgegenstandes beschrieben, den dieser Gegenstand aktuell (bzw. zum Bewertungsstichtag) für das Unternehmen hat.

Ideeller Wert

Der ideelle Wert umfasst die nicht materiellen Werte einer Arztpraxis, wie Lage der Praxis, Patientenstamm und insbesondere der Ruf der Praxis. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt kann man den ideellen Wert wie folgt umschreiben:

„Der ideelle Wert einer Arztpraxis beinhaltet die Chance des Käufers, die in der Vergangenheit vom Verkäufer erzielten Umsätze auch in der Zukunft für sich selbst zu realisieren.“

Mathematisch kann man den ideellen Wert definieren als den Wert der Arztpraxis, der über den Substanzwert hinaus besteht, bzw.:

Praxisgesamtwert ./. Substanzwert = Ideeller Wert.

Bei einer fundierten Praxisbewertung kommt dem ideellen Wert eine entscheidende Bedeutung zu und wird immer separat ermittelt.

 

Methoden der Praxisbewertung

Wie schon oben erwähnt, haben sich eine Vielzahl von Bewertungsmethoden entwickelt. Hier seien die wichtigsten aufgeführt und entsprechend gewürdigt.

Umsatzmethoden

Umsatzmethoden ziehen zur Ermittlung des Praxiswertes bzw. des Goodwill den Umsatz als Rechengröße heran. Dies ist schon vom Grundsatz her abzulehnen, da unmittelbar einsichtig ist, dass der Umsatz kein Wertkriterium sein kann. Die Kosten eines Unternehmens unberücksichtigt zu lassen, kann keine Option für eine Unternehmensbewertung bzw. Praxisbewertung sein. Denn schließlich ist ein Käufer am Gewinn einer Unternehmung interessiert. Umsatzmethoden errechnen noch Ideelle Werte, selbst wenn die Kosten im Extremfalle höher sind als die Umsätze, und somit ein Verlust realisiert würde. Für eine Praxisbewertung ist eine Umsatzmethode vollkommen ungeeignet.

Übrigens ist auch die weiter unten beschriebene (alte) Ärztekammermethode den Umsatzmethoden zuzurechnen.

Fazit: Umsatzmethoden sind für die Praxisbewertung ungeeignet.

Gewinnmethoden

Bei der Gewinnmethode werden die Kosten der Praxis berücksichtigt und der Gewinn wird als wichtigste Rechengröße berücksichtigt. Dies ist ein erheblicher Fortschritt gegenüber der Umsatzmethode. Allerdings wird im weiteren Fortgang der Gewinn mit Multiplikatoren zu einem Praxiswert „weiterverarbeitet“ und Zu- und Abschläge sollen den Wert individualisieren. Sowohl den Multiplikatoren als auch den Zu-/ Abschlägen haften Willkür an, womit auch diese Methoden nicht zu fundamental abgesicherten Praxiswerten führen.

Die weiter unten beschriebene neue Ärztekammermethode kann zu den Gewinnmethoden gerechnet werden.

Fazit: Die meisten Gewinnmethoden sind für die Praxisbewertung ungeeignet.

Die (alte) Ärztekammermethode

Die alte Ärztekammermethode ( Ärztekammermethode a. F. ) ist den Umsatzmethoden zuzurechnen. Sie wurde im Deutschen Ärzteblatt im Jahre 1987 veröffentlicht. Sie wurde von der Ständigen Konferenz der Rechtsberater der Ärztekammern entwickelt, um eine Vorläuferversion aus dem Jahre 1965 an die Entwicklung aus Rechtsprechung und Praxis anzupassen. Es handelt sich dabei ausdrücklich nur um Empfehlungen zur Bewertung, die „… vom Vorstand der Bundesärztekammer beratend und zustimmend zur Kenntnis genommen worden…“ sind.

Kern der Methode ist, den Umsatz der Arztpraxis als den maßgeblichen wertbestimmenden Faktor einzustufen und – ausgehend vom durchschnittlichen Umsatz der letzten 3 Kalenderjahre vor dem Bewertungsstichtag – durch Abzug eines Unternehmerlohns und Drittelung des verbleibenden Betrages, den ideellen Wert der Praxis zu bestimmen. Hinzuzurechnen ist der Substanzwert der Praxis, wobei sich der Substanzwert als Zeitwert aller Wirtschaftsgüter definiert, der sich wiederum am jeweiligen Verkehrswert zu orientieren hat.

Der Unternehmerlohn (UL) wird vorgegeben als Jahresgehalt eines Oberarztes nach 1b BAT, brutto, verheiratet, zwei Kinder, Endstufe, ohne Mehrarbeitsvergütung. Dieser ist jedoch bei niedrigen Praxisumsätzen zu kürzen. So ist bei einem Praxisumsatz unter 300.000 DM nur 75% des UL, unter 200.000 DM 50%, unter 100.000 DM 25% und unter 50.000 DM kein UL anzusetzen.

Bei Eintritt in eine Gemeinschaftspraxis richtet sich der Wert des Anteils nach dem Prozentsatz des Anteils am Wert der Gemeinschaftspraxis. Des Weiteren werden in der Richtlinie objektive und subjektive Merkmale beispielhaft aufgeführt, die werterhöhend oder wertmindernd in die Wertberechnung eingehen können. Es wird jedoch nicht verdeutlicht, wie diese Kriterien tatsächlich (mathematisch) in der Berechnung berücksichtigt werden könnten.

Die Ärztekammermethode a.F. ist von Beginn ihrer Veröffentlichung von der betriebswirtschaftlichen Lehre wegen ihrer offensichtlichen Schwächen (Vergangenheitsbetrachtung, Umsatz- statt Gewinnorientierung, willkürliche Festsetzung des ideellen Wertes auf ein Drittel des Basiswertes, Ansatz eines gestaffelten Unternehmerlohns) als fundierte Wertberechnung für untauglich eingestuft worden.

Fazit: Die Ärztekammermethode a.F. ist für eine Praxisbewertung ungeeignet.

Die neue Ärztekammermethode

Die neue Ärztekammermethode wurde am 9. September 2008 verabschiedet und im Dezember 2008 im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. Die Veröffentlichung erfolgte ausdrücklich als „Hinweise zur Bewertung von Arztpraxen“. Der Begriff Hinweise soll die fehlende rechtliche Verbindlichkeit der Empfehlung nochmals unterstreichen. Die Richtlinien aus dem Jahre 1987 (Bundesärztekammermethode a.F.) wurde durch eine Arbeitsgruppe von Juristen der Ärztekammern und betriebswirtschaftlichen Beratern der Kassenärztlichen Vereinigungen überarbeitet, um die Ärztekammermethode a.F. dem aktuellen Stand von Betriebswirtschaft und Rechtsprechung anzupassen. Ausdrücklich sollte eine ertragswertorientierte Bewertungsmethode erarbeitet werden, um den alleinigen Bezug auf den Umsatz aufzugeben. Dadurch sollte eine der größten Schwächen der alten Ärztekammermethode, nämlich die rein vergangenheitsbezogene Analyse der Arztpraxis unter Ausklammerung der Praxiskosten, abgeschafft werden.

Die neue Ärztekammermethode nimmt Bezug auf den auf einen Käufer übertragbaren durchschnittlichen Umsatz und die übertragbaren durchschnittlichen Kosten der letzten drei Kalenderjahre vor dem Bewertungsstichtag und ermittelt daraus den übertragbaren Gewinn. Von dem Ergebnis ist der Unternehmerlohn abzuziehen, der im Jahre 2008 auf 76.000 Euro fixiert wurde. Für künftige Bewertungsfälle sind die jeweiligen tariflichen Entwicklungen zu berücksichtigen. Ähnlich wie bei der alten Ärztekammermethode ist der Unternehmerlohn bei niedrigerem Umsatz zu kürzen, ohne dass für die Kürzung eine Erklärung gegeben wird.

Das Ergebnis ist eine Gewinnbasis (nachhaltig erzielbarer Gewinn), die mit einem Prognosemultiplikator zu multiplizieren ist, um den ideellen Wert zu ermitteln. Der Prognosemultiplikator soll die Anzahl der Jahre, in denen von einer Patientenbindung durch die Tätigkeit des bisherigen Praxisinhabers ausgegangen werden kann, ausdrücken. Der Prognosemultiplikator ist auf den Wert 2 bei Einzelpraxen und den Wert 2,5 bei Gemeinschaftspraxen festgelegt. Dem ermittelten ideellen Wert ist der Substanzwert hinzuzurechnen, womit sich der Praxiswert ergibt. Der Substanzwert soll sich an den Marktwerten der einzelnen Vermögensgegenstände orientieren.

Beachtenswert sind noch die sogenannten „wertbestimmende Faktoren“, die es je nach Einzelfall erlauben, von dem errechneten Wert nach oben oder unten abzuweichen. Auf eine Erläuterung, wie die Faktoren rechnerisch berücksichtigt werden könnten, wird verzichtet. Es wird lediglich bestimmt, dass eine eventuelle Korrektur nicht mehr als 20% vom errechneten Wert abweichen darf.

Fazit: Die neue Ärztekammermethode ist für eine Praxisbewertung bedingt – und nur zu Plausibilitätsüberlegungen – geeignet.

Mischmethoden

Bei Mischmethoden werden mehrere unterschiedliche Methoden zur Berechnung des Praxiswertes herangezogen (meist 3-5 Methoden). Aus den unterschiedlichen Ergebnissen wird dann ein Mittelwert gebildet, der dann den Praxiswert darstellt. Es wird gewissermaßen mit der Schrotflinte geschossen, frei nach dem Motto, eine Methode wird den Wert schon treffen.  Dieses Vorgehen ist natürlich mit einer gutachterlich korrekten Vorgehensweise unvereinbar. Ein Mittelwert aus mehreren falschen Berechnungsmethoden kann bestenfalls zufällig einen korrekten Praxiswert abbilden.

Fazit: Für eine Praxisbewertung sind Mischmethoden ungeeignet.

Die IBT-Methode

Die sogenannte IBT-Methode (Indexierte Basis-Teilwert-Methode) ist eine von einem Gutachter isoliert entwickelte Berechnungsmethode, welche den Praxiswert auf Basis verschiedener Teilwerte berechnet. Mit verschiedenen Multiplikatoren, deren Höhe aus den Erfahrungswerten des Entwicklers „berechnet“ werden und auch gewisse Umfeldfaktoren berücksichtigen, wird sodann ein Praxiswert berechnet.

Das Problem dieser Methode besteht darin, dass die ermittelten Werte – trotz „gutachterlicher“ Vorgehensweise“ – von niemanden nachvollzogen werden kann, da das Zustandekommen der Berechnungsfaktoren nicht offengelegt wird. Das Verfahren ist ein „Black-Box-Verfahren“ (nicht nachvollziehbar) und wurde durch höchstrichterliche Rechtsprechung als ungeeignet abgelehnt. Auch die betriebswirtschaftliche Lehre distanziert sich von diesem Verfahren.

Fazit: Die IBT-Methode ist für eine gutachterliche Praxisbewertung ungeeignet.

Die Ertragswertmethode

Die Ertragswertmethode wird üblicherweise bei der Bewertung gewerblicher Unternehmen angewendet. Daher kommt es vor, dass dieses Verfahren (fälschlicherweise) auch für Arztpraxen angewendet wird. Dieser Fehler wird häufig von Bewertern vorgenommen, die sich eben nicht auf die Belange von Arztpraxen spezialisiert haben.

Das Ertragswertverfahren funktioniert wie folgt:

Nach der betriebswirtschaftlichen Unternehmenslehre wird der Wert eines Unternehmens nach dem Nutzen bestimmt, den er dem Erwerber zukünftig erbringen wird. Es wird die Summe aller Vorteile, nach Abzug aller zu erwartenden Nachteile, die sich aus dem Unternehmen ergeben, bewertet. Wobei davon ausgegangen wird, dass es finanzielle Vorteile (Nachteile) und nichtfinanzielle Vorteile (Nachteile) gibt.

Bei der Ertragswertmethode ist der Ertragswert des Unternehmens der Barwert der abgezinsten finanziellen Überschüsse. Dieser Grundsatz gilt als einziger rationaler Wert eines Unternehmens.

EW = E/i mit E = jährlich gleichhoher Gewinn (nachhaltige Gewinnprognose) und i = Kapitalisierungszins

Durch eine Planungsrechnung sind die zukünftigen Umsätze und Kosten zu prognostizieren und der Gewinn daraus abzuleiten.

 

Beispiel:

Beträgt der Gewinn 150.000 Euro so ergibt sich bei einem Kapitalisierungszins von 8% ein Unternehmenswert (Ertragswert) in Höhe von

150.000/0,08 = 1.875.000 Euro.

Bei der Bewertung von Arztpraxen wäre vor der Berechnung des Ertragswertes vom Gewinn noch der Unternehmerlohn abzusetzen.

Es ist unschwer zu erkennen, dass dieses Bewertungsverfahren für Praxisbewertung ungeeignet ist. Die Werte werden aufgrund des unendlichen Planungshorizontes (Kapitalisierungszeitraums) i.d.R. deutlich zu hoch ausgewiesen. Da sich die betriebswirtschaftliche Lehre im Wesentlich einig ist, dass der unendliche Planungshorizont für Arztpraxen nicht realistisch ist, wird dieses Berechnungsverfahren abgelehnt.

Fazit: die (reine) Ertragswertmethode ist für eine Praxisbewertung ungeeignet.

Das DCF-Verfahren

Das DCF-Verfahren (Discounted Cash-Flow-Verfahren) nimmt den zukünftigen Cash-Flow (Überschuss der Einzahlungen über die Auszahlungen einer Unternehmung) zur Grundlage der Bewertung. Diese Vorgehensweise ist für gewerbliche Unternehmensbewertungen grundsätzlich geeignet und führt im Wesentlichen zu den Ergebnissen des ähnlichen Ertragswertverfahrens. Es wird jedoch in Europa selten angewendet und ist – wie das Ertragswertverfahren selbst – für eine Praxisbewertung nicht geeignet.

Fazit: Das DCF-Verfahren kommt für eine Praxisbewertung nicht in Frage.

Die modifizierte Ertragswertmethode

Die prinzipielle Vorgehensweise zur Ermittlung des ideellen Wertes bei Anwendung der modifizierten Ertragswertmethode folgt folgender Berechnungsmethodik: Es ist der auf einen Käufer übertragbare zukünftige Gewinn zu ermitteln. Dazu werden die zukünftig zu erwartenden übertragbaren Kosten von den zukünftig zu erwartenden und übertragbaren Erlösen abgezogen. Von dem zukünftigen übertragbaren Gewinn ist sodann ein Unternehmerlohn abzuziehen, da aufgrund der Einbringung der eigenen Arbeitskraft nur der über den Unternehmerlohn hinausgehende Gewinnanteil als Ertrag für die Bildung des ideellen Wertes heranzuziehen ist. Der über den über den Unternehmerlohn hinausgehende Gewinnanteil wird Gewinnbasis genannt. Die Gewinnbasis ist mit einem Multiplikator zu multiplizieren, um den ideellen Wert zu ermitteln. Der Multiplikator ergibt sich als Rentenbarwertfaktor aus dem Kapitalisierungszeitraum und dem Kalkulationszinssatz. Der Kapitalisierungszeitraum drückt den Zeitraum aus, zu dem ein Käufer von der Aufbauleistung des Verkäufers profitiert, bevor die zukünftigen Überschüsse auf das Wirken des Käufers zurückzuführen sind. Des Weiteren kann dieser Zeitraum auch als die Zeitdauer angesehen werden, die es dauert, bis ein Käufer eine gleicherfolgreiche Praxis selbst aufbaut (Reproduktionszeit). Dabei ist zu beachten, dass in den Zeitdaueransatz nur die Differenzbeträge zwischen den Gewinnen der übernommen Praxis und den Gewinnen einer Praxisneugründung maßgeblich sind und nicht die absolute Zeit in Jahren. Entsprechend können im Kapitalisierungszeitraum auch Chancen, Risiken und Praxischarakteristika abgebildet werden, die auf die Marktattraktivität der Praxis Einfluss nehmen.

Mit dem Kalkulationszinssatz wird der Wert der in zukünftigen Jahren anfallenden Überschüsse auf den Gegenwartswert (Bewertungsstichtag) hin angeglichen (abgezinst), wobei das Risiko des Unternehmers (soweit nicht bereits im Kapitalisierungszeitraum berücksichtigt) gegenüber einer sicheren Festzinsanlage berücksichtigt wird.

Fazit: Die modifizierte Ertragswertmethode ist eine Praxisbewertung geeignet. Sie ist im Wesentlichen für die Bewertung von Arztpraxen konzipiert und entwickelt worden.

Eine Praxisbewertung, die von Klock & Küchler erstellt wird, richtet sich fast immer nach dieser Methode.

Eine ausführliche Beschreibung der modifizierten Ertragswertmethode ist den von Klock & Küchler verfassten Grundsätzen der Praxisbewertung entnehmen, die Sie hier im Download als PDF-Dokument einsehen können.

 

Wie erkenne ich eine fundierte und gute Praxisbewertung?

Bei der Durchführung und Ermittlung einer Praxisbewertung werden häufig grundlegende Fehler begangen oder wichtige und wertrelevante Aspekte außer Acht gelassen. Dadurch können die ermittelten Werte am Ende deutlich vom wahren Wert abweichen. Das Problem ist, dass Adressaten von fehlerhaften Praxiswertgutachten die Mängel kaum erkennen können und sich in einer vermeintlichen Sicherheit über den Wert der Arztpraxis wähnen, tatsächlich jedoch einer Fehleinschätzung aufliegen. Zur Einschätzung, ob ein Gutachten fundiert und kompetent erstellt wurde, können folgende Kriterien hinterfragt werden:

  • Der Gutachter hat profunde Sachkenntnis – sowohl im Bereich der Unternehmensbewertung als auch der Branche 
  • Der Gutachter ist neutral, die Vergütung des Gutachtens hängt nicht vom Ergebnis der Praxisbewertung ab
  • Das Gutachten wurde sachverständig erstellt, alle Berechnungsparameter in Ihrer Höhe begründet
  • Es wurde die modifizierte Ertragswertmethode angewendet
  • Es fand ein Ortstermin in der Praxis statt, der Inhaber wurde ausführlich zur Praxis befragt
  • Die Vermögensgegenstände der Praxis wurden beim Ortstermin besichtigt und im Gutachten einzeln und nachvollziehbar bewertet

 

Häufige Fehler bei Praxisbewertungen

Ebenso kann ein vorliegendes Gutachten dahingehend hinterfragt werden, ob die folgend aufgeführten, immer wieder vorkommenden Fehler oder Unterlassungen bestehen:

  • Es wurde die falsche Methode gewählt (alte Ärztekammermethode, reine Ertragswertmethode, sonstige Eigenentwicklungen etc.)
  • Es wurde keine Bereinigung von Erlösen und Kosten vorgenommen. Hier insbesondere: Abschreibungen, Zinsen
  • Es wurden nicht begründete oder nicht nachvollziehbare Rechenparameter verwendet
  • Wurde der Unternehmerlohn korrekt ermittelt? – realistisch und unter Einschluss aller Lohnaspekte
  • Wurde die Arbeitszeit berücksichtigt?
  • Wurde die Höhe des Kapitalisierungszeitraums begründet?
  • Wurde der Zinssatz plausibel abgeleitet?
  • Wurde eine Prognose erstellt oder wurden nur Vergangenheitsdaten berücksichtigt? 
  • Bei Gemeinschaftspraxen: Wurden die Regelungen des Gesellschaftsvertrages beachtet? Insbesondere die Gewinnverteilungsregelungen
  • Wurden alle sonstiger relevantem Faktoren beachtet? (Beispiel Mietvertrag, Leasingverträge etc.)
  • Wurde eine Plausibilitätsüberlegung vorgenommen?
  • Kann der ermittelte Wert aus den Erträgen der Praxis refinanziert werden?

 

Fazit Praxisbewertung:

Es gibt eine Vielzahl an Methoden zur Erstellung einer Praxisbewertung. Viele Methoden sind veraltet und nicht in der Lage, einen Praxiswert sachgerecht abzubilden. Bei einer Praxisbewertung ist ein hohes Maß an Erfahrung und Wissen erforderlich, welches nur wenige Gutachter nachweisen können. Gute Wertgutachten sind ausführlich erarbeitet und nachvollziehbar niedergeschrieben. Gute Praxisbewertungen können durch Abgleich mit den hier aufgeführten Informationen erkannt werden.

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