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Praxisbewertung Zahnarztpraxis

Praxisbewertung – Die Bewertung einer Zahnarztpraxis

Die Bewertung einer Zahnarztpraxis verläuft im Wesentlichen sehr ähnlich der Bewertung von Arztpraxen im Bereich der Humanmedizin ab. Es gibt jedoch einige Besonderheiten, die bei der Bewertung zahnmedizinischer Praxen zu beachten sind.

Methodisch werden Zahnarztpraxen wie Arztpraxen bewertet. Durch Anwendung der modifizierten Ertragswertmethode wird der Wert einer Zahnarztpraxis – differenziert nach ideellem Wert (Goodwill) und Substanzwert ermittelt. Durch Addition von Goodwill und Substanzwert ermittelt sich der Praxiswert der Zahnarztpraxis. Die genaue Funktionsweise der modifizieren Ertragswertmethode haben wir auf der Seite Praxisbewertung erläutert. Ebenso die Funktionsweise und das Für und Wider anderer Methoden zur Bewertung von Arztpraxen bzw. Zahnarztpraxen.

 

Besonderheiten und Unterschiede bei der Bewertung von Zahnarztpraxen zu Praxisbewertungen im Bereich der Humanmedizin

Die Besonderheiten bzw. Unterschiede einer Praxisbewertung im Bereich der Zahnärzte bestehen im Wesentlichen in Folgenden Bereichen:

  • Die Investitionen in die apparative Ausstattung liegt bei Zahnarztpraxen meist wesentlich höher als bei Arztpraxen im Bereich der Humanmedizin. Daher sind bei Zahnarztpraxen i.d.R. deutlich höhere Substanzwerte zu ermitteln. Bei Bewertungen von Zahnarztpraxen kommt dem Substanzwert somit eine besondere Bedeutung zu. Der sachverständige Gutachter muss sich entsprechend gut hinsichtlich der medizinischen Ausstattungen einer Zahnarztpraxis auskennen.
  • Zahnärzte rechnen Ihre Leistungen nach dem Bewertungsmaßstab zahnärztlicher Leistungen (BEMA) bzw. nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) ab. Gerade im Bereich der Leistungen im gesetzlich versicherten Bereich bestehen Budgetbeschränkungen und Abrechnungsmechanismen, die sich von den Budgetregelungen für Arztpraxen der Humanmediziner unterscheiden. Daher ist auch bei den Budgetregelungen im zahnärztlichen Bereich eine besondere Sachkenntnis erforderlich.
  • Viele Zahnarztpraxen führen ein eigenes Labor innerhalb der eigenen Zahnarztpraxis. Die Führung eines Eigenlabors erfordert weitere spezifische apparative Ausstattungen der Zahnarztpraxis. Darüber hinaus müssen Räumlichkeiten und Personal entsprechend des Leistungsumfanges vorgehalten werden. Laborleistungen werden nach besonderen Gebührenordnungen abgerechnet, die es im Bereich der Humanmedizin nicht gibt (BEL II bzw. BEB).
  • Bei Zahnarztpraxen bestehen engere Zusammenhänge zu steuerlichen Aspekten. So sind einige Leistungen mehrwertsteuerpflichtig.
  • Das wettbewerbliche Umfeld unterscheidet sich bei Zahnarztpraxen vom Umfeld der Arztpraxen im humanmedizinischen Bereich. So unterliegen Zahnärzte keiner Bedarfsplanung mehr womit Zahnärzte sich grundsätzlich jederzeit und an jedem Ort frei niederlassen können. Dies wirkt sich auch auf die Preisbildung aus, was bei einer Praxisbewertung für Zahnarztpraxen entsprechend zu berücksichtigen ist.

 

Die Bewertung von Zahnarztpraxen für Oralchirurgie

Bei der Bewertung von Zahnarztpraxen des Fachbereichs Oralchirurgie (Facharzt für Oralchirurgie) gelten oben aufgezeigte Aspekte nochmals verschärft, da Zahnarztpraxen für Oralchirurgie besonders investitions- kostenintensive medizinische Geräte vorhalten. Entsprechend fachkundig sind die medizinischen Geräte und Einbauten für den Substanzwert zu bewerten. Bei der Ermittlung des Ideellen Wertes oralchirurgischer Praxen ist zu prüfen, ob alle Leistungen von einem Käufer übernommen werden können.

 

Die Bewertung kieferorthopädischer Praxen

Bei kieferorthopädischen Praxen liegt das Investitionsvolumen bei Neugründung meist etwas niedriger als im allgemeinen zahnärztlichen Bereich während der Kauf einer kieferorthopädischen Zahnarztraxis tendenziell etwas teurer ist im Vergleich zu allgemeinen Zahnarztpraxen. Dies ist damit zu begründen, dass die Verdienstmöglichkeiten von Kieferorthopäden meist höher liegen als bei allgemeinen Zahnärzten und sich somit höherer ideelle Werte bilden. Ob dies auch im Einzelfall zutrifft, kann durch ein Praxiswertgutachten ermittelt werden.

 

Die Bewertung von Praxen der Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG-Chirurgie)

Besonders interessant ist die Bewertung von Arztpraxen der Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgen (MKG-Chirurgen). MKG-Chirurgen haben sowohl Humanmedizin als auch Zahnmedizin studiert. Organisatorisch werden MKG-Chirurgen der Humanmedizin zugeordnet und nicht der Zahnmedizin.

Mit dem Facharzt für MKG-Chirurgie kann eine MKG-Praxis gegründet bzw. übernommen werden. Die apparative Ausstattung ist hier üblicherweise nochmals intensiver als bei Oralchirurgen, da das Einsatz- und Leistungsspektrum des MKG-Chirurgen den gesamten Kopf- und Gesichtsbereich umfasst. Zahn- und kieferorthopädische Fragestellungen decken nur einen Teilbereich des Leistungsspektrums von MKG-Chirurgen ab. Entsprechend rechnen MKG-Chirurgen sowohl im Bereich der Humanmedizin (EBM, GOÄ) als auch im Bereich der Zahnmedizin (BEMA, GOZ, BELII, BEB) ab. Eine für die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxis zwingend vorzunehmende Analyse der Praxisumsätze (Leistungsspektrum und Abrechnungsinformationen) erfordern daher vom Gutachter breite Kenntnisse beider Abrechnungssystematiken.

 

Kauf oder Neugründung einer Zahnarztpraxis – was ist günstiger?

Die Werte für Zahnarztpraxen weisen einen langfristig steigenden Trend auf. Zuletzt wurden durchschnittlich etwa 150.000 Euro für den Goodwill und etwa 80.000 Euro für die Substanz bezahlt. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Werte – je nach Praxis und Standort – stark schwanken können. Im Gegensatz zu humanmedizinischen Praxen kann aber festgestellt werden, dass hinsichtlich der Anfangsinvestition der Kauf und die Übernahme einer bestehenden Zahnarztpraxis günstiger ist als die Neugründung einer Praxis. Doch auch die Neugründung einer Zahnarztpraxis birgt Chancen. So kann die Praxis komplett neu nach eigenen Vorstellungen eingerichtet werden und Personal nach eigenen Auswahlkriterien eingestellt werden. Es werden keine ‚alten Zöpfe‘ übernommen.

Bei der Frage ob der Kauf einer Zahnarztpraxis der Neugründung einer Zahnarztpraxis überlegen ist, sind neben den Anfangsinvestitionen noch weitere Aspekte von Bedeutung und kann nur über einen längeren Betrachtungszeitraum geklärt werden. Ist die Praxissubstanz veraltet (niedriger Substanzwert bei der Übernahme der Zahnarztpraxis) muss in den kommenden Jahren mit verstärkten Ersatzinvestitionen gerechnet werden. Damit relativiert sich Vorteil einer Übernahme einer Zahnarztpraxis auf mittlere Sicht.

Schließlich stellt sich die Frage, wie hoch der Verdienst sein wird. Während bei der Neugründung Patientenzahlen und Umsätze erst aufgebaut werden müssen, liegt bei der Übernahme einer Zahnarztpraxis bereits ein fester Sockel an Umsatz- und Patientenzahlen vor.

Fazit: Es gibt keinen allgemeingültigen besseren Weg. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Eine Querschnittstudie des Instituts der Zahnärzte konnte bei einer über 6 Jahre angelegten Beobachtung beider Gründungsvarianten keine systematischen Vorteile einer der Varianten feststellen. Entsprechend wichtig ist ein Praxiswertgutachten bei Übernahme einer Zahnarztpraxis, damit keine überhöhten Preise bezahlt werden und die Potenziale der Zahnarztpraxis transparent werden.

 

 

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